Die Zeit des Nationalsozialismus machte auch vor Schönaich nicht Halt und brachte Krieg und Leid mit sich. 1940 heiratete Otto Vetter junior die Schönaicherin Pauline, geborene Ulmer. Leider war dem Paar zunächst nur eine kurze gemeinsame Zeit vergönnt, denn Otto Vetter junior musste nur zwei Monate später an die Front. Während seiner Abwesenheit hielten seine Eltern und seine Frau Pauline, den Betrieb so gut es ging aufrecht.

Die sogenannten „Streckungsvorschriften“ schrieben den deutschen Bäckern während dieser Jahre vor, nur Brote von geringer Qualität herzustellen. Weder für die Kunden noch für die Bäcker war dies ein befriedigendes Ergebnis, doch man war froh, überhaupt etwas zum Essen zu haben. Auch dem Vetter-Bäck gelang es trotz dieser großen Einschränkungen und der enormen Schwierigkeiten, die Versorgung während dieser schweren Jahre aufrecht zu halten und den Betrieb einigermaßen über die Runden zu bringen. Während der Abwesenheit Otto Vetters junior kam 1941 Tochter Karin zur Welt.

Während der letzten Kriegsjahre wurde das „Vetter-Haus“ mit vielen Flüchtlingen besetzt und gewährte damit immer wieder ganzen Familien einen Unterschlupf.

Immer wieder fuhr Pauline Vetter während dieser letzten Kriegsmonate nach Böblingen, um auf dem Schwarzmarkt Hefe zu besorgen. Nicht nur dieser Akt war ein äußerst gefährliches Unterfangen – zumal für eine Frau. Auch dem Beschuss der Tiefflieger galt es mit einem rechtzeitigen Sprung in den Straßengraben zu entfliehen. Dennoch machte sich die junge Frau stets aufs Neue auf diesen Weg, damit die Versorgung der Schönaicher gewährleistet blieb.
Auch Mehl war in dieser Zeit ein äußerst rares Gut. Kaum ein Lieferant traute sich während der letzten Kriegsmonate ins entlegene Schönaich – einzig die Aidlinger Mühle lieferte. Eine Treue, die die Vetters nicht vergaßen: auch nach dem Krieg ließ sich die Bäckerei noch lange von dieser Mühle mit Mehl beliefern.
Pauline & Otto Vetter
 
Hilfe kam auch aus der Nachbarschaft: während der Kriegsjahre holte der Nachbar und Kollege Gottlob Brodbeck die schweren 100 kg Mehlsäcke vom Lager im ersten Stock in die Backstube, da Pauline Vetter und Otto Vetter senior diese schweren Säcke nicht tragen konnten. Noch heute verbindet ein sehr gutes kollegiales Verhältnis die beiden Nachbar-Bäcker Arnold und Vetter-Faig miteinander.

1945 endete der Zweite Weltkrieg und auch im beschaulichen Schönaich hatten diese Jahre Spuren hinterlassen. In vielen Familien blieben Stühle leer, trauerte man um Väter, Söhne, geliebte Menschen.
Auch beim Vetter-Bäck war die Not zu spüren. Lebensmittelkarten rationierten den Einkauf. Immer wieder spielten sich kleine Tragödien im Geschäft des Schönaicher Bäckers ab. Doch wann immer es möglich war, schoben die Vetters ihren Kunden noch ein Brötchen mehr in die Taschen oder holten aus dem Keller Kartoffeln. Sie sahen die Not ihrer Kundschaft und halfen, wo sie konnten. Ende 1945 kam auch Otto Vetter junior, der aus der amerikanischen Gefangenschaft geflüchtet war, in die Heimat zurück.

Erst die Währungsreform des Jahres 1948 brachte die Wende. Mehl in guter Qualität war wieder vorhanden und der Aufschwung machte sich auch in den Schönaicher Haushalten bemerkbar. Endlich konnte man wieder so viel Brot kaufen wie man wollte. Allerdings hatte die Bäckerfamilie während dieser Jahre den Verlust der ersten Generation des Betriebes zu verkraften. 1948 starb der Gründer Otto Vetter, nur ein Jahr später seine Frau Katharina.

Pauline Vetter